Der Forchtensteiner Ewald Tatar, Mastermind des Nova Rock.  |  NOEN, Erich Marschik

225.000 Besucher: "Großes, aber entspanntes Festival" Das Nova Rock 2017, das in der Nacht auf Sonntag in Nickelsdorf zu Ende geht, war auch für Veranstalter Ewald Tatar "ein beeindruckendes Festival".

Dem Burgenländer Tatar zufolge kamen an vier Tagen insgesamt 225.000 Besucher. Für diese gab es von Tatar und den Einsatzkräften ein dickes Lob: "Die Leute sind extrem cool drauf. Sie haben das Nova Rock zu einem großen, aber entspannten Festival gemacht."

"Wir hatten noch nie so viele Leute bereits an Nachmittagen vor der Bühne wie heuer"Festival-Chef Ewald Tatar

"Damit haben wir in Bezug auf Publikumszahlen bei Festivals in Österreich etwas in Stein gemeißelt", freute sich Tatar. Dass es, wie in manchen Berichten behauptet, beim Nova Rock nur noch am Rande um Musik geht, bezeichnete der Festivalintendant als "Unsinn".

Tatar: "Das Nova Rock hat in den vergangenen drei Jahren ständig die Besucherzahlen gesteigert. Wir hatten noch nie so viele Leute bereits an Nachmittagen vor der Bühne wie heuer. Es kommt niemand hierher, wenn ihn die Musik überhaupt nicht interessiert. Aber klar ist ein Festival mittlerweile nicht nur Musik, diese Zeiten sind vorbei. Es ist Komfort notwendig, die Besucher wollen kulinarisch verwöhnt werden. Ich versuche jedes Jahr neue Ideen einzubringen, weil das auch für mich spannend ist."

Viele Besucher sind mit dem Festival älter geworden, aber auch ganz junge Leute hat man auf den Pannonia Fields gesehen. "Es sind alle Altersschichten vertreten", nickte Tatar im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur. "Ich habe gestern zwei Väter mit ihren Kindern getroffen, die quasi als Familie hierherkommen. Das ist meiner Meinung nach ein Sinn eines Festivals, Generationen zu verbinden."

"Ist nicht so, dass wir hier nur Abgespieltes bieten"

In ausländischen Medien wurde das Line-up des Nova Rock positiv hervorgehoben. In Österreich wird gerne darüber geklagt, dass immer die gleichen Acts auftreten würden. Wie sieht das der Veranstalter?

"Es gibt nicht Millionen von Bands, die bei so einem großen Festival wie dem Nova Rock auf prominenten Positionen spielen können", antwortete Tatar. "Das Nova Rock gibt es seit zwölf Jahren und ja, mittlerweile hat fast jede große Band hier einen Headline-Slot gehabt. Aber Blink 182 waren zum Beispiel heuer erstmals hier. Es ist nicht so, dass wir hier nur Abgespieltes bieten, sondern auch Neues wie Prophets of Rage."

Die auftretenden Frauen kann man allerdings an einer Hand abzählen. "Da habe ich mir noch keine Gedanken darüber gemacht, aber stimmt", sagte Tatar. Es sei "schwierig". Die Ausnahmen bei der heurigen Ausgabe waren etwa Code Orange, Epica, Dawa und Broilers. Letztere hatten am Samstag ihren Auftritt noch vor sich.

Für das Publikum hieß es indes, die letzten musikalischen Darbietungen zu genießen. So gab es beispielsweise von Suicide Silence auf der Red Stage ziemlich deftige Kost, wobei die US-Deathcore-Gruppe ihre Sache recht ordentlich machte. Die großteils jungen Fans ließen sich von Shouter Hernan "Eddie" Hermida zu allerlei Action hinreißen, sprangen, wirbelten und moshten, was das Zeug hielt.

Beinahe parallel dazu war auf der größeren Blue Stage der Zustrom ziemlich ansehnlich, als die Kanadier von Simple Plan vorführten, dass auch braver Poppunk der 90er-Schule immer noch gut ankommt.

Bei "Shut Up!" wurde ausgelassen getanzt und die Faust in die Luft gereckt, wenige Minuten später evozierten Sänger Pierre Bouvier und seine Kollegen intime und sehr ruhige Momente. Hände schwenken, nostalgisch träumen - bei den windigen Abschlussverhältnissen des Nova Rock wurde wieder genossen, was das Zeug hält. Für den großen Abschluss mit Green Day und David Hasselhoff ist also alles angerichtet.